Er nimmt nur ein kleines Areal unseres Körpers ein, ist kaum „sichtbar“ und wird meist als selbstverständlich bedacht – unser unverzichtbarer Tränenfilm, ohne den klares Sehen überhaupt nicht möglich wäre!
Dabei gleicht er in seiner Zusammensetzung einer ausgeklügelten, hochpräzisen Komposition, welche nur im richtigen Verhältnis zueinander einwandfrei funktionieren kann und empfindlich ist gegen Einflüsse von innen und außen.
Deshalb: Lerne deinen Tränenfilm besser kennen, damit du ihn auf natürliche und gesunde Weise unterstützen kannst!
Aufbau des Tränenfilms:
1. Die Muzinschicht: Das „Fundament“ (etwa 20%) also die unterste Schicht – direkt in Berührung mit Hornhaut (Epithel) und Bindehaut. Die Muzine des Tränenfilms werden in den Becherzellen der Bindehaut des Auges gebildet.
- Sie ist gelartig und gewährleistet, dass das Wasser des Tränenfilms an der Augenoberfläche anhaften kann – ansonsten würde es einfach ablaufen, ähnlich wie auf glatten Glasflächen.
- Zudem ist sie eine Abwehrbarriere gegen Mikroorganismen.
2. Die wässrige Phase: Der Hauptbestandteil Wasser (rund 70%) ist reich an Proteinen – u.a. das antibakterielle Lysozym. Der Wasseranteil des Tränenfilms kommt aus der Tränendrüse.
- Die wässrige Phase dient der Befeuchtung, Reinigung & Desinfektion, Ernährung und Regeneration der Hornhaut.
- Sie ist die „Waschanlage“ des Auges.
3. Die Lipidschicht: Der „Fettfilm“ oder auch Ölfilm (etwa 10%) unserer Tränenflüssigkeit als äußerste Schicht, angrenzend an die Luft. Die Lipide und Fette des Tränenfilms werden in den Meibom-Drüsen im Lidrand gebildet.
- Sie bildet die erste Barriere des Tränenfilms und verhindert das Verdunsten der wässrigen Phase.
- Sie schützt ähnlich wie eine „Versiegelung“ die unteren Schichten.
- Sie gewährleistet ein sanftes Gleiten der Augenlider.
Obwohl die einzelnen Anteile des Tränenfilms als Schichten bezeichnet werden, liegen sie keineswegs getrennt voneinandern „aufgeschichtet“. Vielmehr gehen sie als Phasen fließend ineinander über und verbinden sich gegenseitig.
Die große Abbildung lässt leicht vergessen, wie hauchdünn unser Tränenfilm in Wirklichkeit ist – gerade einmal etwa 0,04 mm. Und gerade weil er so dünn ist, reagiert er so sensibel und ist zugleich ein fein ausbalanciertes Zusammenspiel verschiedener Bestandteile, das unsere Augen Tag für Tag schützt und versorgt.
So halten wir unseren Tränenfilm stabil und ausgeglichen
Kommt der Tränenfilm aus seinem Gleichgewicht, wird er sehr schnell instabil und kann seine Aufgaben nicht mehr oder nur teilweise erfüllen. Dies äußert sich in den allseits bekannten Symptomen wie trockene, brennende, rote Augen, bis hin zu Entzündungen. Das Gute ist: Wir können selbst einiges dafür tun, dass unser Tränenfilm stabil bleibt und seine wichtigen Aufgaben gut erfüllen kann.
Schauen wir uns die Muzinschicht also die innerste oder unterste Schicht des Tränenfilms an, so kann eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Besonders die Vitamine A, C und E sowie Omega-3-Fettsäuren sind hier wertvolle Nährstoffe für unsere Augen. Wir finden sie in den Lebensmitteln:
- Vitamin A (bzw. seine Vorstufen): Karotten, Süßkartoffeln, Spinat, Grünkohl
- Vitamin C: Zitrusfrüchte, Paprika, Rosenkohl, Brokkoli, Beeren
- Vitamin E: Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle
- Omega-3-Fettsäuren: Fisch z.B. Lachs oder Makrele, Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse, Algen
Der größte Bestandteil des Tränenfilms ist natürlich Wasser, das wir in der mittleren, der wässrigen Schicht finden. Deshalb ist regelmäßiges und ausreichendes Trinken für unsere Augengesundheit ausnehmend wichtig. Wem klares Wasser auf Dauer zu langweilig ist, kann es ganz einfach durch Minzblätter, Zitronen- oder Orangenscheiben geschmacklich aufpeppen. Auch ungesüßte Tees – warm oder kalt – sind eine gute Alternative. Fruchtsäfte enthalten zwar wertvolle Inhaltsstoffe, sollten aber aufgrund ihres natürlichen Zuckergehalts eher eine Ergänzung als der hauptsächliche Durstlöscher sein.
Die oberste oder äußerste Schicht des Tränenfilms bildet die Lipidschicht, also eine Art feiner Fettfilm. Auch hier spielen die Omega-3-Fettsäuren in unserer Ernährung eine bedeutende Rolle. Gleichzeitig können wir die feinen, ölbildenden Drüsen an den Lidrändern durch einfache Maßnahmen der Augen- und Lidrandpflege unterstützen: warme Kompressen (oder einfach ein warmer Waschlappen) auf den geschlossenen Augen fördert die natürliche Funktion dieser Fettdrüsen. Auch unsere Augenlider möchten bei der täglichen Körperpflege berücksichtigt werden: einfach mit den Fingern oder einem sauberen Wattestäbchen und klarem Wasser die Lidränder sanft und vorsichtig reinigen – das ist oftmals schon völlig ausreichend.
Und was unser Tränenfilm insgesamt braucht, ist regelmäßiges, entspanntes Blinzeln. Gerade bei konzentrierter Bildschirmarbeit, beim Lesen oder Blick aufs Smartphone blinzeln wir meistens deutlich zu wenig. Dadurch wird die Tränenflüssigkeit weniger über die Augen verteilt und die Oberfläche nicht mehr ausreichend benetzt. Kleine bewusste Blinzel-Momente im Alltag und regelmäßige Bildschirmpausen sind daher besonders wichtig.
Dieses Grundwissen über den Tränenfilm soll dir helfen, die Bedürfnisse des sogenannten „vorderen Augenabschnitts“ besser zu verstehen und die Pflege deiner Augen richtig abzustimmen.
Im Visualtraining lernst du, bewusst und gesund mit deinen Augen umzugehen und deine Sehkraft ganzheitlich zu unterstützen.
Weiterführende Beiträge hierzu: Brennende und trockene Augen – was steckt dahinter? 03. Sep. 2026, Augen-Smoothie – für eine gesunde Sehkraft 15. März 2025, Lidrandpflege 12. Jan. 2025
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Über die Autorin Irmgard Siersch
Irmgard Siersch ist Augenoptiker-Meisterin und Visualtrainerin in Bad Aibling. Über 20 Jahre lang hat sie Augen vermessen und Sehhilfen angepasst, bis sie eines gelernt hat: Wir haben mehr Einfluss auf unsere Sehkraft, als die meisten denken. Heute zeigt sie Erwachsenen, wie sie ihre Augen trainieren und im Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit sehen.