geschlossenes Auge, gesunder sauberer Lidrand & Wimpern

Lidrandpflege

Die Lidrandpflege ist eine sanfte Reinigung und Pflege der zarten Lidränder – dort wo die Wimpern wachsen und die Ausgänge verschiedener feinster Drüsen liegen. Diese Drüsen versorgen Haut und Wimpern, vor allem aber den Tränenfilm, der eine wichtige Voraussetzung für klares Sehen und gesunde, gut befeuchtete Augen ist. Da sich an den Lidrändern auf kleinstem Raum verschiedene Sekrete wie Öle, Fette, Talg und Schweiß sammeln können, ist eine gezielte Pflege wichtig, damit die feinen Drüsenausgänge frei bleiben und ihre Funktion ungestört erfüllen können. 

Vielen ist die Lidrandpflege nicht bewusst oder sogar unbekannt, was ich in meinem Berufsalltag immer wieder erfahre. Bei meinen Kunden beobachte ich häufig, dass Probleme wie trockene und brennende Augen von behafteten, unreinen Lidrändern begleitet werden. Kleine Verkrustungen oder Ablagerungen an den Wimpern zeigen an, dass die Lidränder nicht ausreichend gereinigt werden – was oftmals auch gereizte oder müde Augen zur Folge hat, wie meine Kunden beschreiben.

Drei Schritte für gepflegte Lidränder

 

Häufig begnet mir beim Thema Lidrandpflege die Frage „Reicht es nicht, sich einfach nur das Gesicht zu waschen?“.
Und die kurze Antwort lautet: In vielen Fällen nein. Denn die feinen Liddrüsen-Ausgänge sitzen dort, wo täglich Staub, Hautschüppchen, Make-Up-Reste & Kosmetika, Talg, Proteine und andere Ablagerungen zusammentreffen können.

Und genau hier liegt ein häufig unterschätzer Punkt: Die Lidränder werden im Alltag gerne vergessen. Dabei leisten sie tagtäglich erstaunlich viel für unser Sehen und unsere Augengesundheit – und ganz nebenbei haben sie auch noch Einfluss darauf, wie wir aussehen und auf andere wirken. Gerötete, verklebte oder ungepflegt wirkende Lidränder lassen uns schließlich schnell müde oder weniger frisch erscheinen.

Damit also unsere Lider bis hin zu ihren Rändern sauber, funktionsfähig und natürlich gesund bleiben, sollten sie Teil der regelmäßigen Augenhygiene sein. Eine einfache Lidrandpflege besteht im Wesentlichen aus drei Schritten: Wärme, sanfte Reinigung und behutsame Pflege.

  • Wärme macht die Drüsensekrete weich und geschmeidiger:
    • einen warmen Waschlappen, Wärmepads oder einen warmen Löffel behutsam auf die geschlossenen Augenlider legen
    • die Wärme: wohltuend – niemals zu heiß
    • so lange „einwirken“ lassen wie es angenehm ist
    • anschließend wegnehmen und die Lider in Richtung Lidrand (zu den Wimpern hin) sanft ausstreichen

  • Anschließend werden die Lidränder von den gelösten Sekreten gereinigt:
    • Augen geschlossen halten
    • mit einem feuchten Wattestäbchen oder der sauberen, feuchten Fingerkuppe über die Lidränder streichen
    • vorsichtig und nur mit sanftem Druck!
    • dabei von außen nach innen (zur Nase hin) streichen
    • Für Geübte geht das auch bei offenen Augen – Lider jeweils sanft nach oben bzw. unten ziehen, sodass die Lidränder leicht „zugänglich“ sind
    • Meist braucht es für diese Reinigung keine zusätzlichen Produkte oder spezielle Augenpads – weniger ist hier oft mehr! Klares Wasser und saubere Hände sind oftmals schon völlig ausreichend.
    • Wichtig ist vor allem, nicht zu fest zu reiben, sondern nur mit leichtem Druck vorzugehen.

  • Nach der Reinigung: Augen und Lider vorsichtig abspülen und von den gelösten Rückständen befreien:
    • Augen geschlossen halten
    • mit angenehm temperiertem Wasser behutsam abspülen
    • Dabei kannst du deine Lidränder nochmal sanft von außen nach innen reiben (zur Nase hin).
    • So können kleinste Rückstände und Ablagerungen noch durch den Tränenabfluss (Tränennasengang) abtransportiert werden.
    • Auch hier gilt: Nur ganz leichten Druck anwenden. Weniger ist mehr!

Für besondere Wellness kannst du nach der Reinigung deine geschlossenen Augenlider behutsam mit einem hochwertigen, natürlichen Körperöl ganz dünn einreiben, das fördert und stabilisiert den natürlichen Fettfilm des Tränenfilms und der Haut.

Bei welchen Beschwerden hilft Lidrandpflege?


Schon kleine Veränderungen können einen spürbaren Unterschied machen: Eine regelmäßige Lidrandhygiene kann schnell dazu beitragen, die Augen angenehmer, frischer und weniger gereizt anfühlen zu lassen. Sie unterstützt die natürliche Funktion der Lidränder und somit des Tränenfilms, kann trockene, gerötete oder juckende Augen deutlich lindern und dabei helfen, Beschwerden langfristig besser in den Griff zu bekommen. Dabei geht es nicht um ein „Allheilmittel“, sondern um kleine, regelmäßige Schritte, die sich im Seh-Alltag positiv bemerkbar machen.

Bei diesen Anzeichen ist Lidrandpflege sinnvoll:

  • ein „raues“ oder sandiges Gefühl beim Blinzeln
  • das Bedürfnis, sich oft die Augen zu reiben
  • trockene, brennende Augen
  • sichtbare, kleine Verunreinigungen oder Verkrustungen an den Lidrändern und Wimpern
  • wiederholende Beschwerden mit Hagel- oder Gerstenkorn
  • „rot geränderte“ Augen und Lider
  • überlastetes Augengefühl nach längerer Bildschirmarbeit
  • wiederkehrende Lidrandentzüngungen (Blepharitis)

Die Lidränder möchten genauso regelmäßig gereinigt werden, wie andere Körperregionen auch. Denn kommt es zu Verunreinigungen, Verstopfungen oder Verklebungen der feinen Drüsenausgänge, kann der Tränenfilm das Auge nicht mehr stabil und zuverlässig reinigen.

Für wen die Lidrandpflege jetzt wichtig ist


Grundsätzlich ist sie für alle sinnvoll, die ihren Augen im Alltag etwas mehr Aufmerksamkeit und Pflege schenken möchten. Besonders profitieren können Menschen, die zu trockenen, gereizten, brennenden, geröteten oder müden Augen neigen. Auch für Kontaktlinsenträger und Menschen, die regelmäßig Augen-Make-Up verwenden, kann eine sanfte und sorgsame Lidrandpflege eine wertvolle Ergänzung der täglichen Augenhygiene sein. Wer viel Zeit vor Bildschirmen verbringt oder zu verkrusteten und verklebten Lidrändern neigt, kann ebenfalls von einer bewussten Pflegeroutine profitieren.

Auch bei einer Neigung zu Gersten- oder Hagelkörnern oder wenn es immer wieder zu Bindehautentzündungen kommt, kann eine gute Lidrandhygiene unterstützend sein. Und nicht zuletzt gilt: Lidrandpflege muss nicht erst dann zum Thema werden, wenn Beschwerden auftreten. Wer seinen Augen einfach mehr Pflege, Frische und ein kleines Wellness-Ritual gönnen möchte, kann die Lidrandpflege wunderbar in die tägliche Routine integrieren.

Wichtig: Wenn Beschwerden trotz regelmäßiger und sorgfältiger Lidrandpflege nicht nachlassen oder sich nicht spürbar bessern, sollte augenärztlich abgeklärt werden, ob eine andere Ursache dahintersteckt.

 

Gute Augenpflege beginnt im Alltag. Mach die Lidrandpflege zu einem kleinen täglichen Ritual und unterstütze damit die natürliche Funktion deiner Augen. Mit gezieltem Visualtraining lernst du außerdem, deine Augen bewusster zu nutzen und sie im Alltag zu entlasten – für klareres Sehen, entspannte Augen und einen langfristig bewussten Umgang mit deiner Sehkraft. Deine Augen danken es dir!

Warum muss man die Lidränder extra pflegen?

Weil dort viele Drüsenausgänge liegen, die Sekrete abgeben – zum Beispiel die Talgdrüsen für die Wimpern oder die Meibomdrüsen für den Tränenfilm. Es können sich dort also Fette, Lipide, Talg und zusätzlich Stoffe aus der Luft wie Staub oder Pollen ansammeln. Das kann über kurz oder lang die feinen Drüsenausgänge verstopfen, sodass die Lidränder ihre Aufgaben nicht mehr zuverlässig erfüllen können.

An den Lidrändern liegen die Ausgänge der wichtigen Meibomdrüsen. Sie produzieren die Fette und Öle für die oberste Schicht des Tränenfilms. Diese „Fettschicht“ brauchen wir, damit die Tränenflüssigkeit nicht zu schnell verdunstet und die Lider beim Blinzeln mühelos und weich über die Augenoberfläche gleiten können.
Ist dieser Ölfilm durch verstopfte Meibomdrüsen zu dünn oder fehlt er ganz, trocknet die Augenoberfläche schneller aus. Gleichzeitig können sich die Lider klebend und reibend anfühlen, weil das nötige „Schmiermittel“ im Tränenfilm fehlt.

In den meisten Fällen ja. Klares Wasser und saubere Hände sind für die einfache tägliche Reinigung oft völlig ausreichend. Bei stärkeren Verkrustungen an den Lidrändern können spezielle Augenreinigungspads aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt sinnvoll sein – bei leichten Rückständen oder vorbeugender Pflege braucht es diese zusätzlichen Hilfsmittel nicht unbedingt. Entscheidend ist vor allem eine hygienische, schonende Reinigung durch sanftes Reiben.

Grundsätzlich dürfen die Lider zwar dünn eingecremt werden, aber es gilt dabei: möglichst mit konservierungsstoff- und parfümfreien natürlichen Ölen oder Cremes, nicht zu häufig und nur ganz dünn auftragen.
Die Lidhaut ist sehr zart und kann schnell „überpflegt“ werden, was sich ungünstig auf den Tränenfilm auswirkt. Es reicht normalerweise, bei der üblichen Gesichtspflege mit den Creme- oder Ölresten an den Fingern auch einmal sanft über die geschlossenen Augen zu streichen.

Grundsätzlich: Ja, durch hygienisches Sauberhalten der Lidränder können die Beschwerden oft deutlich reduziert oder im besten Fall sogar aufgelöst werden. Das hängt aber von den jeweiligen Ursachen ab:

  • Ein Hagelkorn ist eine meist schmerzlose, langsam entstehende Verdickung am Lidrand, die auf verstopfte Drüsen zurückgeht.
  • Ein Gerstenkorn dagegen ist eine meist schmerzhafte (infektiöse), rasch auftretende Schwellung, also meist eine bakterielle Entzündung am Lidrand.
  • Die Lidrandentzündung (Blepharitis) entsteht ebenfalls oft sehr schnell und kann auf verschiedene Ursachen zurückgehen wie verstopfte Drüsen, Bakterien oder Hauterkrankungen am Augenlid.

Bei Schmerzen oder ungewöhnlichen Symptomen sollte also immer erst ein Augenarzt draufschauen! In allen drei Fällen ist dann der „Kern der Behandlung“ auch meist eine konsequente Lidrandpflege mit Wärme, Reinigung und Lidmassage.

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Augenoptikermeisterin Irmgard Siersch, Visualtrainerin in Bad Aibling

Über die Autorin Irmgard Siersch

Irmgard Siersch ist Augenoptiker-Meisterin und Visualtrainerin in Bad Aibling. Über 20 Jahre lang hat sie Augen vermessen und Sehhilfen angepasst, bis sie eines gelernt hat: Wir haben mehr Einfluss auf unsere Sehkraft, als die meisten denken. Heute zeigt sie Erwachsenen, wie sie ihre Augen trainieren und im Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit sehen.