Häufig haben brennende, trockene Augen harmlose Ursachen: Wir starren zu viel, blinzeln zu selten oder vernachlässigen die Augenhygiene. Liegt es daran, dann lassen sich die Beschwerden durch einfache Maßnahmen oft schnell und deutlich lindern. Seltener stecken gesundheitliche Ursachen dahinter, bei denen Selbstmaßnahmen (allein) nicht ausreichen. Beschwerden, die auf den alltäglichen Gebrauch der Augen zurückgehen, können wir selbst spürbar bessern oder sogar auflösen.
Bei meinen Kunden sehe ich immer wieder, dass die Gründe für diese Augenprobleme oft ganz einfache Gewohnheiten im täglichen Augen-Umgang sind: beim konzentrierten Arbeiten wird zu selten und nicht vollständig geblinzelt, die Lider werden zu wenig gepflegt und die Augen bleiben über längere Zeit starr geöffnet. Dadurch fehlt die richtige Befeuchtung und der Tränenfilm kann seine Reinigungs- und Schutzfunktion nicht optimal erfüllen – was in Folge zu brennenden und trockenen Augen führt!
Sobald ich meine Kunden auf diese ungünstigen Gewohnheiten aufmerksam mache und ihnen zeige, wie sie bewusst und richtig blinzeln und ihre Augen wirksam entspannen, spüren viele bereits in den ersten Minuten deutliche Veränderungen: Die Augen sind gleich besser befeuchtet, fühlen sich weicher und angenehmer an und das Brennen lässt oft schnell nach.
Für langanhaltende Besserung gilt es natürlich, diese Gewohnheiten regelmäßig in den Alltag zu integrieren. Meist wird daraus schon nach kurzer Zeit eine angeneme, neue Seh-Normalität.
Wie trockene und brennende Augen entstehen können
Eine der häufigsten Ursachen für trockene und brennende Augen ist, dass die Augen über längere Zeit starr geöffnet bleiben und dadurch zu selten geblinzelt wird. Doch nicht nur Blinzeln allein, sondern vor allem die Art des Lidschlags spielt eine entscheidende Rolle: Wird zu angestrengt oder „verkrampft“ geblinzelt, schließen sich die Lider oft nicht vollständig. Dadurch bleibt besonders im unteren Augenbereich, unterhalb der Pupille und damit außerhalb der eigenen Wahrnehmung, eine kleine Spalte offen – die Augenoberfläche kann hier regelrecht austrocknen. Das nennt man den Inkompletten Lidschlag.
Außerdem führt eine dauerhaft angespannte Lidmuskulatur dazu, dass die Drüsen innerhalb der Lider und auch die Tränendrüse nicht mehr optimal arbeiten können. All diese Drüsen sind an der Bildung und richtigen Zusammensetzung des Tränenfilms beteiligt. Wie bedeutsam der Tränenfilm für Funktion und Gesundheit unserer Augen ist, erforschte bereits im 19. Jahrhundert der britische Augenarzt Sir William Bowman – und aktuelle Studien und neue Erkenntnisse bestätigen dies bis heute immer wieder.
Der Tränenfilm befeuchtet, reinigt und desinfiziert die Augenoberfläche. Zudem schützt er sie vor schädlichen Einflüssen und versorgt die Hornhaut des Auges mit wichtigen Nährstoffen. Wird der Tränenfilm instabil, also in seiner Zusammensetzung verändert oder zu wenig an Menge, kann er die Augenoberfläche nicht mehr ausreichend versorgen und schützen. Die empfindliche Oberfläche reagiert darauf schnell mit Trockenheit, Brennen oder Reizungen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ausreichend Tränenflüssigkeit zu haben, sondern auch einen natürlichen, vollständigen und entspannten Lidschlag. Nur wenn beides richtig zusammenspielt, kann der Tränenfilm seine vielen Funktionen zuverlässig erfüllen.
Was können wir selbst tun - wo sind die Grenzen?
Viele Betroffene kämpfen meist schon lange Zeit mit den Symptomen von brennenden, trockenen Augen. Umso wichtiger ist eine möglichst schnelle, spürbare Erleichterung – und tatsächlich, wenn wir gezielt an den Ursachen ansetzen, zeigen sich erste positive Veränderungen oft schon nach wenigen Minuten! Meine Kunden erleben regelmäßig: Die Augen sind gleich besser befeuchtet, die Lider gleiten und bewegen sich müheloser und es entsteht dadurch ein angenehm glattes, weiches Gefühl auf der Augenoberfläche. Das Brennen lässt oft deutlich nach – manchmal verschwindet es zunächst sogar ganz. Viele bemerken durch diese schnelle Entlastung sogar auch unmittelbare, kleine Sehverbesserungen.
Solche ersten Erfolge sind natürlich ein wichtiger Anfang. Doch wenn es nicht nur im ersten Moment, sondern auch langfristig besser werden und auch bleiben soll, braucht es mehr als kurzfristige Sofortmaßnahmen. Denn ein paar bewusste Lidschläge oder eine einmalige, sorgfältige Lid-Reinigung können zwar schnell für Erleichterung sorgen – entscheidend für nachhaltige Veränderung ist aber, wie die Augen im Alltag dauerhaft benutzt werden.
Genau darum geht es im Visualtraining: nicht nur kurzfristig Beschwerden zu lindern, sondern entspannte, gesunde Sehgewohnheiten zu entwickeln und regelmäßig in den Alltag zu integrieren. Nur so lassen sich alte Gewohnheiten ändern und ein erneutes Auftreten der Beschwerden möglichst vermeiden.
Natürlich haben Selbsthilfemaßnahmen auch ihre Grenzen, wenn zum Beispiel die Ursachen auf gesundheitliche oder andere Einflüsse zurückgehen – wie hormonelle Veränderungen, Allergien, Kosmetika, Krankheiten oder Einnahme bestimmter Medikamente, die den Tränenfilm beeinträchtigen. Gesunde Sehgewohnheiten können die Augen dann trotzdem spürbar entlasten. Für eine optimale Unterstützung kann in solchen Fällen die Kombination mit zusätzlichen Befeuchtungstropfen, sogenannten Tränenersatzmitteln, sinnvoll sein.
Generell gilt allerdings für Befeuchtungstropfen und Augensprays: Sie (allein) können die Beschwerden zwar manchmal vorübergehend lindern, aber sie ersetzen in der Regel nicht die Veränderung der eigentlichen Ursachen. Am sinnvollsten sind sie deshalb als begleitende Unterstützung und nach Möglichkeit nur über kurze Zeit zu verwenden – während gleichzeitig die Bedinungen für die Augen und das eigene Sehverhalten nachhaltig verbessert werden.
Für wen das Visualtraining jetzt wichtig ist
Wer täglich viele Stunden am PC arbeitet, in seinem Beruf viel konzentrierte Naharbeit leistet (also 10 – 80 cm vor den Augen), überwiegend bei Kunstlicht tätig ist, oder wem die Arbeit dauerhaft höchste Konzentration, Präzision oder große Verantwortung abverlangt, kennt es wahrscheinlich: Brennende, trockene Augen gehören leider oft längst zum Alltag – und am Ende des Tages ist die Sehkraft spürbar erschöpft.
Das liegt daran, dass wir in solchen Momenten und unter solchen Umständen viel weniger blinzeln als normalerweise – und häufig noch dazu zu angespannt oder unvollständig. Wo die normale Blinzelfrequenz sonst etwa bei 15 – 20 Lidschlägen pro Minute liegt, wird hier meist nur noch 8 – 10 Mal pro Minute oder noch weniger geblinzelt. Dadurch kann der Tränenfilm nicht mehr ausreichend stabil bleiben: Die Augen trocknen zu sehr ab, beginnen zu brennen und fühlen sich trocken und kratzig an. Viele Studien belegen diesen Zusammenhang und verweisen auf mehr visuelle Entspannung und Vorbeugung für Augen und Sehsinn – am Arbeitsplatz genauso, wie auch im privaten Umfeld – wie zum Beispiel die Studie „Tätigkeitsbezogene Sehschulung“ von Fritz Böhle, Sabine Weishaupt, Wolfgang Hätscher-Rosenbauer und Bernd Fritscher, 1998, ISF München.
Auch in emotional belastenden Zeiten können sich Anspannung und Belastung rund um die Augen verstärken – viele kennen das aus eigener Erfahrung, wie schwer und eng sich die Augen dann anfühlen. Wer sich in dieser Situation wiederfindet, sollte rechtzeitig etwas für entspanntere und natürlichere Augenbewegungen tun, bevor die Beschwerden dauerhaft werden.
Wichtig: Bei (zusätzlich) stark geröteten oder geschwollenen Augen oder Lidern sowie ungewöhnlich starkem Tränenfluss oder Schmerzen sollte zuerst eine augenärztliche Untersuchung erfolgen, da auch Allergien, Fremdkörper, Umwelteinflüsse oder Infektionen dahinterstecken können.
Häufige Fragen aus meinen Schulungen
Muss ich zuerst zum Augenarzt?
In den meisten Fällen musst du nicht extra vorher zum Augenarzt. Wenn du ziemlich sicher weißt, woher deine Beschwerden kommen – zum Beispiel von langen Bildschirmzeiten oder viel künstlichem Licht – und keine weiteren ungewöhnlichen Symptome auftreten, kannst du direkt mit gezieltem Visualtraining zur Entspannung und Entlastung deiner Augen starten.
Bemerkst du aber zusätzlich starke Rötungen, Schwellungen, übermäßiges Tränen oder Schmerzen, solltest du es vorher ärztlich untersuchen lassen.
Trockene, brennende Augen - ist das was krankhaftes?
Meistens ist es erstmal kein krankhafter Zustand. Das heißt: Wenn keine anderen Ursachen oder (zusätzlichen) Beschwerden dahinterstecken, können sich die Augen durch gezielte Entlastung meist selbst und ohne weitere Hilfsmittel wieder normal befeuchten.
Werden aber die Symptome über Monate oder Jahre hinweg ignoriert, kann sich daraus ein chronischer, krankhafter Zustand entwickeln. Deshalb gilt: Lieber frühzeitig etwas für die Entlastung deiner Augen tun, bevor die Beschwerden dauerhaft werden.
Warum ist es morgens manchmal sogar schlimmer?
Das liegt daran, dass bei überanstrengten Augen nachts oft der schützende „Tränen-Puffer“ zwischen Augenoberfläche und Lidern fehlt. Nachts bei geschlossenen Augen wird viel weniger Tränenflüssigkeit produziert und ausgetauscht – der Tränenfilm ist also dünner, oder dann sogar zu dünn. Bewegen sich die Augen im Schlaf, entsteht dadurch mehr Reibung.
Das Ergebnis: Morgens fühlen sich die Augen besonders trocken, rau und kratzig an – bis einige Lidschläge den Tränenfilm wieder erneuert und auf der Augenoberfläche verteilt haben.
Warum brennen meine Augen manchmal auch im geschlossenen Zustand?
Bei geschlossenen Augen können winzige Staubpartikel und andere feinste Fremdstoffe, die auf der Augenoberfläche zurückgeblieben sind, unter den Lidern brennen oder reizen. Normalerweise werden diese Mikrostoffe bei jedem Lidschlag mit dem Tränenfilm weggespült. Ist dieser aber zu wenig oder zu dünn und es wird unvollständig geblinzelt, dann bleiben diese Fremdstoffe auf den Augen liegen. Fehlt dann noch zusätzlich der schützende „Tränen-Puffer“ unter den Lidern, können die Partikel beim geschlossenen Auge besonders unangenehm brennen.
Kann ich dieses (langjährige) Problem wirklich wieder ganz loswerden?
Ja, grundsätzlich können die Beschwerden (auch nach langer Zeit) wieder vollständig verschwinden – sofern sie nicht bereits chronisch, krankhaft geworden sind. Voraussetzung ist, den Augen und Lidern dauerhaft gesündere Sehgewohnheiten zu ermöglichen: regelmäßige Pausen, ausreichend Erholung und ein natürliches, entspanntes Blinzeln egal bei welchen Tätigkeiten.
Unsere Augen haben erstaunliche Fähigkeiten zur Selbstversorgung und Regeneration. Sie brauchen nur die richtigen Bedingungen dafür. Genau das lernst du im Visualtraining: deine Augen wieder natürlicher, entspannter und gesünder zu nutzen.
Lust, etwas für deine Sehkraft zu tun?
Du möchtest wissen, ob Visualtraining auch bei deinem Problem helfen kann? Dann lass uns gerne miteinander sprechen!
Über die Autorin Irmgard Siersch
Irmgard Siersch ist Augenoptiker-Meisterin und Visualtrainerin in Bad Aibling. Über 20 Jahre lang hat sie Augen vermessen und Sehhilfen angepasst, bis sie eines gelernt hat: Wir haben mehr Einfluss auf unsere Sehkraft, als die meisten denken. Heute zeigt sie Erwachsenen, wie sie ihre Augen trainieren und im Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit sehen.