Ja, unsere Sehkraft lässt sich durch gezieltes Training spürbar und messbar verbessern. In vielen Fällen ist klareres Sehen ohne Brille möglich – durch Visualtraining, das Augen, Augenmuskulatur und Gehirn als Ganzes einbezieht. Es ist kein Wundermittel, aber ein wirksamer Weg für Menschen, die aktiv etwas für ihre Sehkraft tun wollen!
In meinen Schulungen erlebe ich immer wieder, wie schnell das Sehvermögen reagiert und sich deutliche Besserungen zeigen – oft sogar schon am ersten Trainingstag: Die Menschen, die ich begleite, beschreiben spürbare Entlastungen, als würden die Augen und Lider erleichtert „aufatmen“. Fast immer geht damit einher, dass sich ihre Augen sofort besser befeuchtet, „weicher“ anfühlen und sich eine angenehme innere Ruhe ausbreitet. Je tiefer diese erste Entspannung wirkt, desto schneller beobachten meine Teilnehmer, wie ihre Atmung gleichmäßiger wird und sich Nacken- und Schultermuskulatur mit lockern möchten!
Gerade durch regelmäßiges Training entwickeln sich daraus nach und nach messbare Erfolge, die meist schon bemerkt werden, noch bevor meine Sehtafeln zum Einsatz kommen.
Gerade durch regelmäßiges Training entwickeln sich daraus nach und nach messbare Erfolge – die meist schon bemerkt werden, noch bevor meine Sehtafeln zum Einsatz kommen.
Wie Sehen wirklich funktioniert
Dafür muss man wissen: Sehen findet nicht allein in den Augen statt, sondern entsteht vor allem im visuellen Kortex – unserem Sehzentrum im Gehirn. Diese Erkenntnis geht auf Dr. Arthur M. Skeffington (1890–1976) zurück, der schon damals erkannte, dass Sehen nicht allein die Arbeit der Netzhaut ist, sondern vielmehr die des Gehirns.
Die Augen liefern die Informationen, das Sehzentrum verarbeitet sie und steuert gleichzeitig deren Zusammenarbeit, die Fokussierung und wie die Augen auf unterschiedliche Sehaufgaben reagieren. Entscheidend ist: Augen und Gehirn bilden eine untrennbare Einheit, die nur im wechselseitigen Informationsaustausch gut funktionieren kann.
Dieses Zusammenspiel wird laufend von unserem Sehverhalten beeinflusst – von Gewohnheiten, Aufmerksamkeit, den täglichen Sehaufgaben sowie Anspannung oder Entspannung. Viele kennen das aus eigener Erfahrung, wenn die Sehkraft beispielsweise im Urlaub oder bei angenehmen Freizeitaktivitäten auf einmal merklich „besser wird“. Der Augenarzt Dr. William H. Bates beschrieb schon in den 1920er Jahren: „Sehanstrengung ist ein geistiger Zwang, verkehrte Denkgewohnheiten.“
Sehen ist also weit mehr als eine reine Funktion der Augen! Genau hier setzt das Visualtraining an. Es unterstützt gesunde Sehgewohnheiten – im privaten wie im beruflichen Sehalltag – und fördert das harmonische Zusammenspiel von Augen und Gehirn. Das ist die Grundlage dafür, die Sehkraft ohne Brille zu verbessern: entspanntes und klareres Sehen aus eigener Kraft.
Was realistisch möglich ist – und was nicht
Die meisten Menschen wünschen sich nicht einfach bessere Werte auf einer Sehtafel, sondern vor allem ein anstrengungsfreieres Sehen im Alltag. Und genau das kann ein zielgerichtetes Training erreichen.
Je nach Ausgangssituation wird das Lesen wieder leichter und deutlicher – gegebenenfalls mit einer schwächeren oder gar keiner Brille mehr. Die Bildschirmarbeit wird weniger belastend, weil der Blick weniger „starrt“ und die Augen gleichmäßiger befeuchtet sind. Viele können Straßenschilder, Autokennzeichen oder Details in der Natur wieder früher und klarer erkennen. Oft lässt sich die Sehschärfe stabilisieren oder leicht verbessern – und immer wieder werden mir geringere Blendempfindlichkeit und sattere Farben beschrieben.
Was jedoch meist nicht möglich ist: die vollständige Auflösung starker oder langjähriger Fehlsichtigkeiten wie Kurz- oder Weitsichtigkeit – auch wenn Verbesserungen durchaus möglich sind. Medizinische Augenprobleme lassen sich durch Visualtraining allein ebenfalls nicht beheben. Und: Natürliche Veränderungen brauchen etwas Zeit. Die gewünschten Erfolge stellen sich nicht auf „Knopfdruck“ ein.
Wann Visualtraining sinnvoll ist
Das Training wird zur echten Unterstützung, wenn sich die Augen nicht mehr so leistungsfähig und entspannt anfühlen wie früher – oder das Sehen allgemein anstrengender und mühsamer wird. Das zeigt sich häufig durch erste Schwierigkeiten beim Lesen, schnell ermüdende Augen, nachlassende Konzentration, gelegentliche Kopfschmerzen im Alltag oder häufiges Brennen, Tränen und leichte Rötungen der Augen.
Auch bei einer kontinuierlich zunehmenden Sehstärke ist Visualtraining die richtige Wahl für alle, die ihre Sehkraft aktiv fördern möchten – anstatt zur nächsten, noch stärkeren Sehhilfe zu greifen.
Wichtig: Bei Augenschmerzen, plötzlich auftretenden Seheinschränkungen, starken Rötungen oder anderen auffälligen Veränderungen sollte zunächst eine augenärztliche Abklärung erfolgen.
Häufige Fragen aus meinen Schulungen
Geht Sehtraining bei jeder Sehstärke?
Ja. Der Sehvorgang funktioniert immer gleich und kann bei jeder Stärke positiv unterstützt werden, sodass die Augen ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen können.
Kann Visualtraining auch als Vorbeugung helfen?
Ja, unbedingt. Jeder kann lernen, sein Sehen richtig zu benutzen und bewusst anzuwenden – und dadurch Probleme reduzieren oder gar nicht erst entstehen lassen.
Wie lange muss ich trainieren – und wie schnell kommen Erfolge?
Erste kleine Besserungen werden meist nach wenigen Tagen oder sogar auf Anhieb sichtbar und spürbar. Für bleibende Erfolge braucht es etwas Ausdauer – im Rahmen von mehreren Wochen oder je nach Ausgangssituation auch Monaten.
Kann es dann wieder schlechter werden?
Ja und nein. Ja, wenn man in alte ungünstige Sehgewohnheiten zurückfällt – und nein, wenn man seine Gewohnheiten dauerhaft verändert.
Was ist der Unterschied zu YouTube-Übungen?
Standard-Sehübungen aus dem Internet sind meist nicht auf das Problem des Anwenders abgestimmt. Ob man die richtige Übung für sich „erwischt“, ist eher ein Zufallsprodukt. Außerdem werden sie ohne fundiertes Hintergrundwissen und fachliche Korrektur oft falsch ausgeführt – und können dann sogar die gegenteilige Wirkung haben.
Lust, etwas für deine Sehkraft zu tun?
Du möchtest wissen, ob Visualtraining auch bei deinem Problem helfen kann? Dann lass uns gerne miteinander sprechen!
Über die Autorin Irmgard Siersch
Irmgard Siersch ist Augenoptiker-Meisterin und Visualtrainerin in Bad Aibling. Über 20 Jahre lang hat sie Augen vermessen und Sehhilfen angepasst, bis sie eines gelernt hat: Wir haben mehr Einfluss auf unsere Sehkraft, als die meisten denken. Heute zeigt sie Erwachsenen, wie sie ihre Augen trainieren und im Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit sehen.